W W W . O R G O N O M I E . J I M D O S I T E . C O M

 

Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Der Weg ist das Ziel

David Holbrook, M.D.

 

Ein äußerst besorgniserregendes Merkmal unseres gegenwärtigen politischen Umfelds ist, daß der Wunsch zu siegen, über alles andere gestellt wurde. Alle Seiten glauben, daß die Ziele die Mittel rechtfertigen. Aber, muß ich das sagen? Die Mittel sind das Ziel!

Eine andere Konsequenz, wenn Siegen und Macht über alle anderen Standards, Werte und Bemühungen gestellt werden, ist, daß wir nicht länger über politische Leitlinien diskutieren. Hat das jemand bemerkt? Ich vermute, daß dieses Phänomen irgendeine Art von Funktion hat. Es ist wie eine Art umfassende unbewußte Verschwörung, um zu vermeiden, daß wir tatsächlich auf uns selbst und unsere Gesellschaft, unsere politischen und wirtschaftlichen Strukturen blicken müssen.

Ich glaube, daß alle auf allen Seiten wirklich glauben, was sie sagen. Teilweise ist es das, was so alarmierend ist. Die vollständige Unfähigkeit und der Zusammenbruch der Befähigung, die Ansichten und Überzeugungen der anderen Seite wirklich zu sehen und zu erkunden. Stattdessen spielen wir „polare Politik“, die Politik des Polarisierens. Rufmord ersetzt eine ehrliche politische Debatte. Der politische Unterschied wird kriminalisiert. Wir dämonisieren die andere Seite und versuchen sie über „Meuten in den sozialen Medien“ zu killen. Das ist Anarchie. Dies ist, als würden wir uns und unsere Demokratie in einen Bottich Schwefelsäure eintauchen. Es ist böse und kann kein gutes Ergebnis zeitigen. Das Mittel ist das Ziel.

 

Der Mob, Statuen, Sklaverei und Demokratie

Ich glaube nicht, daß es dem Mob erlaubt sein sollte, politische Fragen zu bestimmen. Ich denke, solche Entscheidungen sollten in einem demokratischen politischen Prozeß getroffen werden. Wenn nach meiner Stimme gefragt würde, so stimmte ich dafür, die Statuen zu behalten und vor Ort Informationen über die Tugenden und Sünden der zu ehrenden Person im historischen Kontext bereitzustellen. Alle persönlichen Informationen über ihre eigenen inneren Kämpfe mit der Sklavenfrage sollten zur Verfügung gestellt werden, zusammen mit Beschreibungen, wie und warum sie es versäumt haben, zur Überwindung der Sklaverei beizutragen. Eine andere Option könnte ein Museum sein, in dem der historische Kontext detailliert dargestellt werden könnte, und wo die Übel und die Tugenden von Einzelpersonen und Organisationen sowohl im Kontext der historischen Periode als auch aus unserer heutigen Sicht präsentiert werden.

Was die Sklaverei betrifft, so sollte ein Überblick über ihre Geschichte von der Antike über den Aufbau Amerikas bis zum Bürgerkrieg gegeben werden, einschließlich der Beteiligung afro-amerikanischer Schwarzer, die selbst entweder Sklaven besaßen oder im Sklavenhandel tätig waren. Eine Geschichte, wann verschiedene Kulturen die Sklaverei verboten, sollte zusammen mit einer Beschreibung der beteiligten historischen Kräfte dargeboten werden.

Es sind nur Statuen, und ich kann verstehen, daß sie für einige die Sklaverei symbolisieren. Für mich symbolisieren sie Geschichte, eine Geschichte wie alle Geschichte, die von unvollkommenen Menschen gemacht wurde. Ich bin mir nicht sicher, was ich von den Statuen halte. Aber es spielt keine Rolle, wie ich über sie denke, sie wurden vom Mob gestürzt, nicht durch einen politischen Prozeß, und ich hatte in dieser Angelegenheit keine Wahl, wie ein Sklave. Wofür wird sich der Mob sonst noch entscheiden? Auf welche andere Weise könnte der nächste Mob beschließen, mich meiner Rechte zu berauben? Auf dem abgerissenen Statuensockel von Francis Scott Keys steht: „Tötet die Weißen“. Aber niemand hat das beseitigt.

Ich glaube, daß Aristoteles und Platon Sklaven hatten. Sollten ihre Statuen ebenfalls abgerissen werden? Es gibt jetzt Aufrufe, alle Statuen oder Darstellungen von Jesus, die ihn als Weißen darstellen, abzureißen.

Sind wir bereit, die Menschheitsgeschichte im Sinne eines Mobs neu zu erschaffen, als Sinnbild dieses glorreichen Augenblicks in der Menschheitsgeschichte, der als 2020 bekannt ist? Sind die tiefgründigen Genies des Jahres 2020 die Menschen, die unserer Meinung nach die Welt neu gestalten sollten? Schau dich um. Sieh dich um. Wirklich? Der Congress? Der Mob auf der Straße? Chaz? Leben wir am Gipfelpunkt der Menschheitsgeschichte, die jedem antiken Griechen oder Gründer der amerikanischen Demokratie weit überlegen ist?

Ich habe gemischte Gefühle in Bezug auf die Statuen. Aber jetzt fällt mir ein, daß das Niederreißen der Statuen in den Köpfen einiger wahrscheinlich erst der Anfang ist. Ich frage mich, was als Nächstes kommt. Ist zum Beispiel der nächste Schritt zu sagen, daß die US-Verfassung, die größtenteils von Sklavenhaltern verfaßt wurde, ebenfalls in Stücke gerissen werden sollte? Und sollte das auch von einem Mob getan werden? Sollte das Land ebenfalls in Stücke gerissen und von Grund auf neu aufgebaut werden? Sollte die in den späten Jahren des 18. Jahrhunderts geschaffene demokratische Republik null und nichtig sein? Ich bin sicher, einige im Mob glauben das absolut. Was ist deine Haltung dazu?

Was ist deiner Meinung nach die Grenze dessen, was von einem Mob niedergerissen werden darf? Welche Gesetze darf man nicht brechen? Bist du zuversichtlich, daß wir Menschen erlauben können, Gesetze zu brechen, um sie dann später davon zu überzeugen damit aufzuhören?

Wohin soll das deiner Meinung nach führen? Wie möchtest du die Welt neu gestalten?

 

Achten Sie nicht auf den Mann hinter dem Vorhang: ein letzter verzweifelter Trick der Linken – die faschistische Ideologie des „systemischen Rassismus“

Die Linke hat Angst. Nach all den bisherigen gescheiterten Putschversuchen steht Trump noch immer. Was, wenn er im November gewinnt? Was, wenn das amerikanische Volk sich dafür entscheidet, ihn wiederzuwählen?

Die Linke versucht einen letzten Vorstoß, um zu sehen, womit sie davonkommen kann. Das jetzt ist der größte: das ganze Land des Rassismus zu zeitigen, und das ganze als Rechtfertigung für die völlige Zerstörung dessen zu benutzen, was in den letzten mehr als 200 Jahren aufgebaut worden ist.

Jetzt gibt es keine Grenzen mehr: ganz klar zielt alles auf den Versuch, die gesamte Erschaffung des Landes im späten 18. Jahrhundert vollständig zu negieren, wobei der Sklavenhalterstatus vieler Gründerväter als Rechtfertigung herhalten muß.

Jedes einzelne Symbol der amerikanischen Nation gilt es anzugreifen: angefangen mit den Statuen der konföderierten Generäle. Als nächstes kommen alle Feierlichkeiten des Landes: Unabhängigkeitstag, Präsidententag, Erntedankfest, Weihnachten, Veteranentag, Volkstrauertag. Natürlich wird all das kommen.

Ziel ist eine völlige Neugestaltung Amerikas von Grund auf. Nicht durch einen demokratischen Prozeß: nein! Durch „direkte Aktion“, mit anderen Worten, durch gesetzlose Gewalt, die sich unter dem Wiederaufleben der politischen Korrektheit versteckt.

Ich habe immer gesagt, daß der Hauptgrund, warum Trump 2016 gewählt wurde, meiner Meinung nach darin bestand, daß die Menschen bereit waren, sich gegen die politische Korrektheit zu wehren. Politische Korrektheit ist ein Versuch, die Rede- und Gedankenfreiheit zu ersticken. Sie ist ein totalitärer Impuls. Und jetzt, heute, sehen wir politische Korrektheit in ihrer extremsten Form: ein offener Versuch, alle zu beschämen und durch Terror zum Schweigen zu bringen.

Die Linke nutzt die große Stärke Amerikas gegen Amerika selbst: unsere Natur, die durch Mitgefühl und ein Gewissen gekennzeichnet ist. Wir wollen uns als anständige, mitfühlende Menschen betrachten. Und genau das ist der Trick: greife den Kern unseres Glaubens an uns selbst als Nation an. Versuche, uns zu beschämen, als hätten wir etwas furchtbar falsches getan.

Dies ist ein absolut meisterhaftes psychologisches Manöver: appelliere an die Schuldgefühle der Menschen. Tische eine Lüge auf, die so gewaltig ist und einen solchen Schatten wirft, daß die Menschen ganz geblendet werden und nicht sehen können. Goebbels wäre stolz. Versuche, induzierte Schuldgefühle über eine illusorische „Schlechtigkeit“ als Nebelwand zu nutzen, hinter der man alles zerstören kann, was eigentlich gut ist und was die Nation in ihrer über 200jährigen Geschichte geschaffen hat.

Die ganze Angelegenheit ist ein Manöver des „Dem-Mann-hinter-dem-Vorhang-keine-Aufmerksamkeit-schenken“. Wage es nicht zu sagen, daß der Kaiser keine Kleider hat, daß hinter der erhabenen Ideologie nur reine Wut und Zerstörungslust steckt!

Schenken Sie dem Mann hinter dem Vorhang keine Beachtung: schenke dem Narrativ glauben, das besagt, der einzige Weg zur Schaffung einer gewaltfreien Welt führe über die Gewalt! Nicht durch Wahlen!

Und wie erreicht man das? Finde einen Sündenbock, so wie es die Nazis mit den Juden getan haben. Die Antifa-Krawallmacher haben nicht von ungefähr ein ausgeprägt faschistisches Gepräge. Aber jetzt heißt der Sündenbock: weiße Menschen.

Achte auf den Mann hinter dem Vorhang: eine rassistische Ideologie, die behauptet, ihr Ziel sei die Beseitigung des Rassismus!

Achte nicht auf den Mann hinter dem Vorhang: erzähle den Leuten, daß es sich um eine antirassistische Bewegung handelt, obwohl es in Wirklichkeit natürlich ein Versuch ist, Demokratie, Kapitalismus und jede andere Manifestation von Freiheit zu stürzen.

Schenke dem Mann hinter dem Vorhang keine Aufmerksamkeit: ein Haufen Faschisten, die behaupten, Antifaschisten zu sein!

Achte nicht auf den Mann hinter dem Vorhang: eine Ideologie des Hasses und der Ungerechtigkeit, die sich als Liebe und Gerechtigkeit tarnt!

Und wende schließlich die Taktik einer Sekte an. Diese Sekte benutzt das Internet, um junge Menschen zu hypnotisieren, die aus verschiedenen Gründen verängstigt, verärgert oder wütend sein können. Manipuliere sie so, daß sie glauben, eine gewalttätige rassistische Ideologie und Bewegung habe die Gewaltlosigkeit und das Ende des Rassismus zum Ziel.

Und hier liegt die größte Errungenschaft von allen: Die meisten Menschen haben keine Ahnung, was vor sich geht, insbesondere die Anhänger dieser Bewegung, die so in Hypnose versetzt wurden, daß sie vermeinen eine gerechte und anständige Sache zu sehen.

Die Orwellsche Doppelzüngigkeit hat gesiegt: Rassismus ist Antirassismus; Gewalt ist Anti-Gewalt; Ungerechtigkeit ist Gerechtigkeit; Terror ist Frieden; die Polizei sind die Kriminellen. Diese Bewegung wird als einer der größten Ausbrüche wahnhafter Massenpsychologie, die die Welt je gesehen hat, in die Menschheitsgeschichte eingehen.

Achten Sie nicht auf den Mann hinter dem Vorhang!

 

Über revolutionäre Leidenschaften und konservative Vorbehalte

Ich glaube nicht, daß die Marxistische Weltsicht auf dem Haß auf die Reichen basiert. Ich glaube, daß es einen echten Idealismus gibt, der revolutionäre Bewegungen antreibt. Es gibt eine Sehnsucht nach einer gerechteren, weniger schmerzhaften, weniger sadistischen, großzügigeren und liebevolleren Lebensweise. Es gibt den Wunsch, daß niemand über den anderen erhoben wird und daß Macht in einer gerechten Weise ausgeübt wird.

Das Problem ist, daß der Weg, den fast jede Revolution eingeschlagen hat, einer des Mordens ist. Und das ist nicht revolutionär. Das ist reaktionär. Wir stehen also wieder am Anfang, außer daß der neue Anfang oft weitaus schlimmer ist als das Alte.

Das ist etwas, was Konservative verstehen.

Keine wirklich revolutionäre Entwicklung kann aus dem Sündenbock-Denken erwachsen. Das ist einfach Blutrausch.

Die große Frage ist: Wie kommt es, daß fast jede wirklich idealistische Revolution letztendlich eher destruktiv als revolutionär wird?

Das ist die Frage, die die Konservativen stellen.

 

Bekenntnisse eines selbstmordgefährdeten antifaschistischen Öko-Freaks

Prolog

Vor 48 Jahren, als ich 17 Jahre alt war, hielt ich mich für einen „Antifaschisten“. Ich war wohl „meiner Zeit voraus“! Es war 1972, und ich hatte das Gefühl, daß Amerika ein faschistisches Land wurde. Aus symbolischem Protest malte ich ein Hakenkreuz auf die amerikanische Flagge, die in meiner Schulaula hing. Ich zerstörte auch das Glockensystem in der Schule. Kommt Ihnen das bekannt vor? Für diese Aktionen wurde ich von der Schule verwiesen. Heute wäre ich ein Held der Linken.

Fünf Jahre später, im Alter von 22 Jahren, stand ich auf dem Deck einer Fähre, die von Seattle nach Alaska fuhr. Nach meinem Ausflug in die „Politik“ mit 17 Jahren hatte ich die Politik völlig aufgegeben und mich der Natur als Zufluchtsort zugewandt. Ich unternahm lange Reisen in die Wildnis im pazifischen Nordwesten, bis zu zwei Monate am Stück, einmal einen Monat lang auf Schneeschuhen. Ich hatte das Gefühl, daß die Menschheit die Natur zerstöre und wir alle bald tot sein würden. Kommt Ihnen das bekannt vor? Auch hier war ich meiner Zeit wohl voraus.

Es war mitten in einer Dezembernacht, und das Schiff war von zwölf Zentimeter Eis bedeckt. Ich war am Ende meiner sprichwörtlichen Weisheit. Ich spürte, daß es keinen Grund zum Weiterleben gab, und zu diesem Zeitpunkt hatte ich seit etwa sechs Monaten ernsthaft über Selbstmord nachgedacht. Ich hatte es nie jemandem erzählt. Ich fühlte wirklich, daß ich in diesem Moment ein so guter Mensch war, wie ich es jemals sein würde, und wenn ich weiterleben und mich der Welt anschlösse, würde ich nur wie alle anderen werden: nur ein weiterer abgefuckter Mensch, der den Planeten zerstört und auf das wartet, was wie der unvermeidliche Atomkonflikt zwischen der UdSSR und den USA aussah, der die gesamte menschliche Zivilisation zerstören würde. Viele von uns jungen Menschen hatten damals große Angst davor, daß dies geschehen würde. Einige von uns fragten sich, ob die menschliche Zivilisation die 1980er Jahre überlebte. Ich persönlich glaubte nicht, daß sie das tun würde.

In dieser Nacht war sonst niemand auf dem Schiffsdeck. Ich dachte: „Wenn ich jetzt über Bord springe, wird es niemand je erfahren.“ Ich setzte meinen Fuß auf die Reling, die mich von dem eisigen Wasser unter mir trennte. Ich dachte daran, wie einfach es sein würde, jetzt einfach zu springen.

Ich fragte mich, wie die Leute reagieren würden, wenn ich mich umbringen würde. Obwohl ich „Freunde“ hatte, paßte ich irgendwie nicht zu ihnen oder wollte vielleicht nicht zu ihnen passen. Ich war ein Einzelgänger geworden.

Ich dachte an meinen Vater und meine Mutter und meine Schwester. Ich hatte in diesen Jahren sehr wenig Kontakt zu ihnen. Aber in meiner Fantasie weinte meine Familie, als sie erfuhr, daß ich tot war. Das brachte mich ein wenig zum Weinen, und ich kletterte von der Reling und ging zurück ins Schiff, um zu schlafen.

Ich war wütend auf meine Eltern, von denen ich das Gefühl hatte, sie hätten mich völlig im Stich gelassen und vielleicht sogar mein Leben zerstört. Ich hatte geplant, ihnen Briefe zu schreiben und ihnen zu sagen, daß ich sie verleugne und daß sie nie wieder versuchen sollten, mit mir Kontakt aufzunehmen.

In dieser Nacht auf dem Schiff dachte ich an einen ähnlichen Moment, als ich etwa neun Jahre alt war. Wieder war es mitten in der Nacht. Meine Eltern hatten sich etwa ein Jahr zuvor scheiden lassen. Ich war nach und nach depressiv geworden, aber ich erzählte es niemandem, und ich schätze, niemand hatte es wirklich bemerkt. Ich stand allein in der Küche und zog ein großes Tranchiermesser aus der Küchenschublade. Ich drückte die Spitze gegen meinen Solarplexus, und ich dachte, wie leicht es wäre, mich umzubringen. Alles, was ich tun mußte, war, das Messer einfach hineinzustoßen. Es war eine Vorschau auf jene Nacht auf dem Schiff, als ich 22 war: Ich stellte mir vor, wie meine Familie reagieren würde, wenn ich mich umbringen würde. In meiner Fantasie sah ich sie weinen, was mich zum Weinen brachte. Ich legte das Messer weg und ging zurück ins Bett. Ich habe es nie jemandem erzählt.

Etwa ein Jahr zuvor hatte ich plötzlich erfahren, daß meine Eltern sich scheiden lassen würden. Ich verfiel in einen Schockzustand. Meine 12jährige Schwester und ich hatten von der Scheidung unserer Eltern nichts mitbekommen – unser Schuldirektor hatte meiner Schwester davon erzählt! Ich weiß nicht mehr, wie ich es herausgefunden habe, vielleicht hat meine Schwester es mir erzählt. Ich saß auf der Bettkante und schaukelte hin und her, während meine Schwester versuchte, mich zu trösten. Ich weiß nicht mehr, wo meine Mutter war; mein Vater war bereits ausgezogen. Ich schaukelte in einer Art bizarrer Dissoziation hin und her und wiederholte immer und immer wieder: „Was ist Gott? Was ist die Unendlichkeit?“ Ich habe keine Ahnung, warum ich das gesagt habe. Ich schätze, daß alles, worauf ich mich verlassen konnte, plötzlich verflogen war, und ich wußte nicht einmal mehr, wer ich war und was die Welt war.

Mit neun bzw. zweiundzwanzig Jahren habe ich mich schließlich doch nicht umgebracht. Ich fühlte mich nie wieder selbstmordgefährdet. Ich wollte nicht leben, aber ich hatte auch keine Leidenschaft für das Sterben. Also lebte ich weiter.

Schließlich begann ich, mich zu trainieren, das Leben zu lieben und es zu lieben, Teil der menschlichen Rasse zu sein. Schließlich mußte ich der menschlichen Rasse verzeihen und mir selbst verzeihen, daß ich ein Teil von ihr sein wollte.

 

„Antifaschist“

Es war 1972 und ich war ein Junior-Internatsschüler an einer Quäker-Vorbereitungsschule namens George School in Bucks County, Pennsylvania. Seit ich fünf Jahre alt war, hatte ich vor, wie mein Vater Schauspieler zu werden. Die George School ermöglichte es mir, einer der wenigen Schüler in der 80-jährigen Geschichte der Schule zu werden, die das Hauptfach Theater belegten. Ich war für die Rolle des MacHeath in der Dreigroschenoper gecastet worden. Anstatt aufs College zu gehen, hatte ich vor, mich an der Royal Academy of Dramatic Art in London zu bewerben.

Es war die Zeit des Vietnamkrieges. Unsere Schule hatte eine liberale Ausrichtung. Die Schule bereitete für uns eine Reise vor, um im Frühjahr 1972 nach Washington DC zu fahren und mit 200 000 anderen Menschen an einer Antikriegsdemonstration teilzunehmen.

Als ich von der Demonstration zurückkam, hatte ich plötzlich das Gefühl, daß Schauspielerei nichts mehr bedeutet. Ich hörte auf in den Unterricht zu gehen oder Hausaufgaben zu machen, und begann weit links stehende Bücher zu lesen, zum Beispiel die Memoiren von Bobby Seales von der Black Panther Party.

In diesen Jahren gab es ein paar Gelegenheiten, bei denen die gesamte Schülerschaft der George School gestreikt hatte, um sich das Recht zu erstreiten, Dinge zu tun wie uns die Haare lang wachsen zu lassen und Hosen zu tragen, wenn man ein Mädchen war. Wir haben diese Streiks gewonnen.

Wir hatten einen wirklich nervigen stellvertretenden Dekan der Jungen. Ich habe seinen Namen vergessen. Er war ein Streber. Er folgte uns in den Wald und wartete, bis wir anfingen miteinander rumzumachen oder uns eine Zigarette oder einen Joint anzuzünden, und dann sprang er aus dem Gebüsch heraus und brachte uns in Schwierigkeiten. Es gab ein Gerücht, daß er sich mit einem Fernglas auf dem Dachboden eines der Häuser auf dem Campus stationiert hatte und die ganze Nacht wachte, um zu sehen, ob er einen der Jungen erwischen würde, der sich zum Schlafsaal der Mädchen ranschlich.

Ich hatte das Gefühl, daß Amerika sich in ein faschistisches Land verwandelte und daß die Schule auch versuchte, uns in kleine faschistische Roboter zu verwandeln, mit den Glocken, die alle 15 Minuten läuteten, und dem Versuch, uns daran zu hindern, miteinander Liebe zu machen. Ich las Bücher von Abbie Hoffman, dem führenden Hippie-„Revolutionär“ jener Zeit. Er schrieb ein Buch mit dem Titel Steal This Book, in dem Anleitungen für alle Arten von Schabernack enthalten waren, zum Beispiel für die Zerstörung des Glockensystems an einer Schule. Ich traf mich mit einem anderen Kind, und nachts schlichen wir um die Schulgebäude herum und zerstörten alle Glocken. Eines Nachts malte ich ein Hakenkreuz auf die amerikanische Flagge, die in der Aula hing.

Die Schule fand heraus, daß wir beide es waren, die diese Dinge getan hatten. Während der Frühlingsferien rief mich mein Freund John Oldach zu Hause in New York City an. Er sagte: „Dave, sie haben es herausgefunden, und sie werden dich rausschmeißen.“

Die George School hatte ein Verfahren für den Rauswurf von Kindern. Die ganze Fakultät mußte sich zusammensetzen und im Konsens entscheiden. Ich erfuhr, daß offenbar die Möglichkeit bestand, daß ich mich vor der versammelten Lehrerschaft verteidigen durfte. Ein Hippie-Religionslehrer, ich glaube, sein Name war Lee Bailey, setzte sich für mein Recht ein, dies zu tun, und die Schule stimmte dem zu. Später haben sie ihn gefeuert.

Die Fakultätssitzung war für 14 Uhr an einem Samstag angesetzt. Ich nahm den Zug von New York zurück zur Schule. Mein Vater arrangierte, bis Mittag dort zu sein, damit auch er an der Sitzung teilnehmen konnte. Die Schule fand es heraus und verlegte, ohne es ihm zu sagen, die Sitzung auf 10 Uhr morgens. Bevor er mittags ankam, hatten sie mich rausgeschmissen.

Ich sprach vor der gesamten Fakultät für eine längeren Zeit. Es kam mir vor wie 20 oder 30 Minuten. Ich drückte mich mit einem völlig aufrichtigen und idealistischen Furor aus. Ich sei nicht irgendeine Art Vandale. Meiner Meinung nach hatte ich es für eine höhere Sache getan. Kommt Ihnen das bekannt vor? Sie waren alle verblüfft. Sie mochten mich, aber sie hatten das Gefühl, mich rauswerfen zu müssen, und das taten sie auch. Später sagte der englische Schulleiter meinem Vater, daß an meiner Haltung etwas „Edles“ gewesen sei. Clarke Moore war der Dekan der Jungen. Wie mein Vater war er ein Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg. Er war ein Panzerkommandant gewesen. Er trug einen Bürstenhaarschnitt und hatte eine hölzerne Hand. Er sagte meinem Vater, ich solle zu einem Psychiater geschickt werden. Mein Vater explodierte vor Wut, marschierte aus seinem Büro und schrie: „Mein Junge braucht keinen Psychiater!“ Ich habe den Psychiater nie gesehen. Aber ich wurde 30 Jahre später selbst ein solcher Psychiater!

Mein Vater sagte mir, daß er mit meinem Handeln nicht einverstanden sei, aber er verstand meine Gefühle. Ich arbeitete in jenem Sommer auf einem Parkplatz, um die Reparatur der Klingelanlage der Schule zu bezahlen.

 

Ökofreak

Nach dem Rauswurf von der George-Schule stellte sich die Frage, was mit David geschehen sollte. Ich hatte noch ein Jahr Highschool übrig. Es gab eine Alternativschule namens Trailside Country School. Es war ein ökologiezentriertes Programm, das aus 18 Kindern bestand und drei Erwachsenen auf einer 11-monatigen Reise durch Amerika in einem Schulbus, wobei sie jede Nacht zelten und Nationalparks besuchen, Wanderungen unternehmen und etwas über die Natur lernen. Das hat mein Leben für immer verändert. Ich habe mich tief in die Natur verliebt. Ich wurde zu einem Autodidakten, der alles lernen wollte. Es war auch das, was einer Familie am nächsten kam, die ich je gehabt hatte.

Nach Trailside folgte das Evergreen College in Olympia, Washington. Nach zwei Jahren brach ich ab, und meine Freundin und ich beschlossen, 200 Meilen quer durch (die westlich von Seattle im US-Bundestaat Washington gelegene Halbinsel) Olympic Peninsula zu laufen. Danach zogen wir nach Oregon. Meine Freundin und ich trennten uns. Meine erste Liebe. Ich fühle immer noch den Schmerz der Trennung. Ich ließ mich auf eine Gruppentherapie ein und arbeitete als Holzfäller. Ich habe mich in dieser Therapiegruppe emotional so sehr geöffnet, und es hat mich derartig wund zurückgelassen, daß ich das Leben danach jahrelang nicht wirklich bewältigen konnte. Ich trieb mich im Land herum, trampte durch alle 48 Staaten, fuhr mit Güterzügen. Ein Landstreicher, kein Geld. Seit dieser Zeit hatte ich 40 Jahre lang Alpträume, obdachlos und allein zu sein und nicht zu wissen, wie ich überleben werde.

Schließlich kehrte ich nach New York City zurück, arbeitete viele Jahre lang in niederen Berufen, lebte zehn Jahre lang in einem 2,5 x 4,5 Meter großen Wohlfahrtshotelzimmer, ging später wieder aufs College und dann auf die medizinische Fakultät, wurde Psychiater, heiratete, bekam Kinder, ließ mich scheiden und versuchte, meinen Kindern zu helfen, Scheidung und Jugend zu überleben. Ich liebe meine Kinder und ich liebe meine Arbeit, und im Jahr 2013 kam ich mit der Liebe meines Lebens, Donna, zusammen. Ich bin “gerettet” worden.

 

Schlußfolgerung

Was mich dazu veranlaßt hat, dies zu schreiben, sind die merkwürdigen Parallelen zu den Erfahrungen der heutigen Generation: die Protestierenden, die Antifa, die die Hoffnung auf die Welt, so wie sie ist, verlieren und sie als unrettbares Übel, als verlorene Sache betrachten; die Rebellion; der Wunsch, alles „über Bord werfen“ zu wollen. Ich habe meine eigene Welt niedergebrannt und versucht, mich selbst neu zu erschaffen; in einer gewissen Parallele dazu, wie diese Kinder versuchen, Dinge niederzubrennen und die Welt um sie herum neu zu gestalten.

Dummheit!!

Schließlich erhob ich mich aus meiner eigenen Asche: Auferstehung! (Nein, nicht wie dieser andere Kerl!) Erlösung. Der Kreis schließt sich.

Was kann ich dazu sagen? Ich spüre sowohl die Tiefe als auch die Verwirrung dieser jungen Leute.

Was habe ich aus meinen Erfahrungen gelernt?

Daß die Liebe, nicht die Zerstörung, alles besiegt.

 

NACHTRAG: In meinem Essay kommentiere ich, daß das Hakenkreuz, das ich als Teenager auf die amerikanische Flagge gemalt habe, jetzt wahrscheinlich von der Linken als heroischer Akt beklatscht würde. Ein Facebook-Freund kommentierte dies:

„Ich glaube wirklich nicht, daß irgendjemand von uns das Malen eines Hakenkreuzes als heroische Aktion betrachtet gar, David, eher sahen wir diese Aktionen als Hilferuf eines aufgewühlten und verwirrten Jugendlichen, der wütend auf die Welt ist....“

Ich antwortete: „Das Hakenkreuz wurde zu dieser Zeit überall um uns herum auf die Fahne gemalt, auch von Demonstranten der ‚Antikriegs‘-Demonstration in DC, zu der uns die George School geschickt hatte. Amerika als faschistisch war ein beliebtes Thema in unserer ganzen Generation. Das Thema meines Essays war es, zu zeigen, daß nicht nur ich beunruhigt war, sondern auch das ganze Land, damals und heute, und ich wollte die Parallelen zwischen Familiendynamik und der Politik aufzeigen.

Ist es nicht offensichtlich, daß viele unserer heutigen Demonstranten das Aufmalen eines Hakenkreuzes auf die Flagge voll und ganz befürworten würden? Ganz zu schweigen von Menschen, die Trump als Faschisten bezeichnen, darunter praktisch alle führenden Medienvertreter der Linken? Ist das also nicht auch ‚ein Hilferuf von aufgewühlten und verwirrten‘ Menschen, die ‚wütend auf die Welt‘ sind?

Erstaunlicherweise scheinst Du den Sinn meines Essays völlig verfehlt zu haben! Willst Du damit sagen, daß das bei mir 1972 ein isolierter Vorfall eines gestörten Jugendlichen war, daß aber heute die Antifa und andere nicht mehr dasselbe sind?

Mein Facebook-Freund: „Ich bin nicht bereit, eine ganze Bewegung mit vielen friedlichen Demonstranten, die nicht Antifa oder zerstörerisch sind, mit einem so breiten Pinsel zu malen. Ich kannte Dich, ich kenne sie nicht, und dennoch bezweifle ich, daß sie von einem Ort der psychischen Störung aus handeln. Viele von ihnen sind motiviert durch eine von Herzen kommende und völlig ‚gesunde‘ Verzweiflung über die Ungerechtigkeiten in unserer Kultur und die Entwicklung hin zu autoritärer Kontrolle durch unser Justizministerium, die Polizei und die Bundesregierung.“

Ich: „Hattest Du oder hast Du das Gefühl, daß Nixon Amerika in Richtung Autoritarismus und Faschismus geführt hat? Mein Punkt jetzt und in meinem Post dreht sich um die ‚Intersektionalität‘ zwischen Familie, Psychologie und Politik, und daß diese Dinge alle auf einem kontinuierlichen Spektrum liegen, ohne absolut klare Grenzen zwischen ihnen; kein ‚dies ist und das ist nicht‘. Ich denke, das ist es wert, hervorgehoben zu werden.“

 

 

zuletzt geändert
03.09.29

 

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