W W W . O R G O N O M I E . J I M D O S I T E . C O M

 

Facebook-Einträge von David Holbrook, M.D.

 

 

 

 

Emotionen und politische Diskussion

David Holbrook, M.D.

 

I

Ich persönlich verstehe nicht, warum, wenn man mit der Politik von Leuten nicht einverstanden ist, das bedeuten muß, daß man sie nicht mag und daß sie schlechte Menschen sind. Es ist meiner Meinung nach eine sehr engstirnige Sicht auf und Herangehensweise an die menschliche Natur. Aber ich verstehe, daß manche Menschen sich so gründlich mit ihren Überzeugungen identifizieren, daß sie diese nicht lange genug auf Abstand halten können, um das Menschliche in jemandem, dem sie nicht zustimmen, zu sehen und sogar zu schätzen. Schade.

Von meiner Arbeit als Therapeut her habe ich einen Instinkt entwickelt, um zu spüren, wo das „nicht dort Hingehen“ bei Menschen liegt. Im allgemeinen kann man Menschen nur erreichen, wenn man nicht in die Zone des „nicht dort Hingehen“ vordringt. Man muß einen Ort finden, der etwas oberflächlicher ist als diese Zone, oder vielleicht einen Weg finden, der um sie herum führt, wenn man mit jemanden auf eine Weise kommunizieren will, die ihm zeigt, daß man seine Grenzen und seine Subjektivität respektiert – mit anderen Worten man vermeidet ihn zum Objekt zu machen.

Das gleiche gilt für die Politik: es ist eine „nicht dort Hingehen“-Zone. Früher verstanden die Menschen das, wenn sie davor warnten, jemals mit anderen Menschen über Religion oder Politik zu diskutieren.

Im gegenwärtigen Klima gehe ich davon aus, daß es sehr unwahrscheinlich ist, mit jemandem einer anderen politischen Ausrichtung über Politik diskutieren zu können, weil heutzutage für fast jeden Politik im Wesentlichen eine „nicht dort Hingehen“-Zone ist. Im politischen Kontext ist diese Zone ein Ort, an dem, wenn man hineingeht, die andere Person die Perspektive verlieren und deine Menschlichkeit nicht mehr sehen wird. Es ist so eine tragische Verschwendung.

Ich glaube wirklich und zutiefst, daß ein sehr großer Prozentsatz der Menschen den Kontakt mit jeglicher Art von Bewußtsein für unsere gemeinsame Menschlichkeit verloren hat. Für diese Leute BIST du deine Politik. Dies ist meiner Meinung nach ein Fehler. In der Tat ist es die Art von Fehler, die das meiste Blutvergießen in der Geschichte der Menschheit verursacht hat.

Ich kann verstehen, daß wir auf den Gedanken kommen, wir seien unsere Politik, aber ich denke, daß die Leute eine breitere Sichtweise haben müssen. Obwohl die politische Identifikation viel über eine Person aussagt, ist es nicht alles, was man über jemanden sagen oder wissen oder an ihm schätzen kann. Man verstehe es nicht als einen Ausdruck von Sentimentalität, wenn ich sage, daß unsere gemeinsame Menschlichkeit breiter ist als unser politisches Dasein. Ich denke wirklich, daß das wahr ist und für jeden offensichtlich sein sollte. Aber irgendwie ist diese offensichtliche Tatsache – die wir alle bis vor zwei oder drei Jahren oder vielleicht vor etwas länger Zeit zu verstehen schienen – den Menschen abhanden gekommen. Ich denke, daß diejenigen, die dieses Bewußtsein verloren haben, einen langen, harten Blick auf sich selbst richten und sich fragen sollten: „Was ist mit mir passiert?“ Ich denke, sie sollten aufhören, selbstgerecht zu sein und etwas Demut zeigen. Und wenn aus ihrem Geist als Antwort kommt, daß es wegen etwas Politischem ist, ist die betreffende Person meiner Meinung nach verloren und muß sich selbst und andere wiederfinden. Und ich würde das gleiche zu jedem sagen, der auf diesen Eintrag mit irgendeiner Art von Bezug auf Politik antwortet. Ich möchte nicht gemein sein, aber ich denke, du bist verloren, wenn dein Verstand so funktioniert, und ich bedauere dich. Viel Glück beim Finden deiner selbst. Ich meine das nicht auf eine böse Weise.

Wenn man damt anfängt, jemanden wegen Politik anzuschreien, kommuniziert man nicht mit ihm. Man ist mit einer Art autistischer Übung beschäftigt. In gewissem Sinne schreit man vielleicht sich selbst an – vielleicht ist es ein seltsamer Dialog mit den eigenen Dämonen, eine Form von Projektion – aber man kommuniziert sicherlich nicht mit einem anderen Menschen. Man hat eine „nicht dort Hingehen“-Zone betreten, in der keine Kommunikation möglich ist. Ich denke von daher wirklich, daß die Leute sich fragen sollten: „Warum mache ich das?“

 

 

II

Ich bin der Meinung, daß, wenn man seine politischen Ansichten auf der Wirklichkeit gründet, man nicht das Bedürfnis verspürt, zu agitieren oder feindselig zu werden, um sie durchzusetzen. Ich benutze das als eine Art Lackmustest, um zu entscheiden, was ich ernst nehmen bzw. weiter untersuchen und was ich ignorieren sollte. Eine ruhig geäußerte Meinung wird viel eher meine Aufmerksamkeit erregen als eine, die mit hysterischer Emotionalität oder Beleidigungen oder Moralisiererei gegenüber den Gegnern vertreten wird. Ich bin absolut für Emotionen und ihren Ausdruck, aber ich bin nicht für Geschrei, buchstäbliches oder metaphorisches, und generell mißtraue ich Emotionen im Bereich der Politik.

Ich mag die Meute nicht, den Mob. Die Art von Dingen, von denen die Meute schreit, basieren selten auf Vernunft oder Tatsachen. Die Meute gehört zu den Dingen, von denen man sich am besten fernhält. Ich nahm an politischen Demonstrationen teil, als ich ein Teenager war, an denen Hunderttausende von Menschen beteiligt waren. Ich kam schließlich zu dem Schluß, daß es sich im Grunde genommen im Wesentlichen um große Partys und im schlimmsten Fall um Unruhen handelte, und daß eine ernsthafte Person sich davon fernhalten sollte.

Im allgemeinen braucht man nicht über Fakten brüllen. Sie verbreiten sich allmählich von selbst, weil sie durch die Wahrheit angetrieben werden. Sie müssen nicht wirklich als Schlagstock benutzt werden, um Leute den Schädel einzuschlagen, das ist kontraproduktiv. Die Wahrheit wird sich schließlich durchsetzen, wenn die Bedingungen stimmen. Es gibt Gründe, warum sich die Wahrheit nicht immer wie ein Lauffeuer ausbreitet. Die Menschen werden auf die Wahrheit hören, wenn sie dazu bereit sind, und man wird die Menschen wahrscheinlich eher überzeugen, wenn man ruhig, großzügig und wohlwollend vorgeht. Das Medium ist die Nachricht. Edle Ziele rechtfertigen keine unwürdigen Mittel.

Was, wenn man die Fakten hat, aber niemand zuhört, könnte man fragen. Meine Antwort lautet, daß es bei Agitation viel weniger wahrscheinlich ist, daß Menschen ein Gehör für die Fakten haben, über die man mit ihnen ins Gespräch kommen will. Je ruhiger die Aussage ist, desto wahrscheinlicher werde ich annehmen, daß sie in der Realität begründet ist und möchte mich weiter damit beschäftigen. Die Tatsache, daß die Person, die die Aussage macht, nicht das Bedürfnis verspürt, etwas anzupreisen oder ihre Meinung jemanden aufzudrängen, beeindruckt mich und vermittelt mir den Eindruck, daß es wahrscheinlicher ist, daß das, worüber gesprochen wird, in der Realität begründet ist, so daß es mein Interesse weckt. Agitation oder Feindseligkeit hat den gegenteiligen Effekt. Je agitierter die Aussage ist, desto eher gehe ich davon aus, daß sie auf Voreingenommenheit beruht, nicht auf Fakten. Voreingenommenheit erfordert definitionsgemäß eine emotionale Investition. Die Aufmerksamkeit auf die Realität zu richten wird hingegen leichter durch einen ruhigen Geisteszustand sowohl im Individuum als auch zwischen den Individuen. Fakten stehen für sich selbst ein, man muß keine Schreierei über sie veranstalten und es ist weniger wahrscheinlich, daß sie Menschen aufgezwungen werden müssen, im Gegensatz zur Voreingenommenheit, die den Einsatz von Gewalt für ihre Durchsetzung erforderlich macht. Wenn man überzeugt ist, die Fakten auf seiner Seite zu haben, aber niemand auf dich zu hören scheint, dann sollte man sich fragen, was die Menschen daran hindert zuzuhören. Das wäre ein vernünftiger Ansatz. Allgemein gesagt, ist es so, daß, wenn man Leute bedrängt, sie sich dessen erwehren, statt zuzuhören. Bedrängen ist demnach generell kontraproduktiv. Wenn du versuchst, jemanden von etwas zu überzeugen, wird das Beleidigen definitiv nicht funktionieren! Wenn sich etwas Faktisches nicht angemessen ausbreitet, bedeutet das, daß es eine andere Tatsache gibt, die seine Verbreitung verhindert, und man sollte versuchen rational herauszufinden, was diese Tatsache ist. Cartoon-hafte Meinungen oder Fantasien über den Gegner lassen dich nur dumm aussehen.

Wann hast du zum letzten Mal gesehen, daß jemand gleichzeitig rational und agitiert war? Agitation ist ein Zeichen von Verwirrung. Menschen, die einen guten Zugang zu den Fakten haben, müssen gemeinhin nicht in Wallung geraten. Wenn sie auf ein Hindernis stoßen, werden sie sich zurückziehen, über die Situation nachdenken und versuchen, einen besseren Weg zu finden, um die Leute zu erreichen.

 

 

III

Ich denke, die Dinge, die uns als Nation zusammenhalten, sind wichtiger als die Dinge, die uns trennen. Ich weiß, das hört sich abgedroschen und stereotyp an, aber ich denke, es ist eine äußerst wichtige Tatsache, hinsichtlich der die Menschen die Perspektive vollkommen verloren haben.

Ich liebe das Internet und Smartphones, aber dank ihrer können wir uns selbst balkanisieren, so daß wir nie nachsinnen brauchen oder mit jemandem sprechen oder zusammensein müssen, der sich in irgendeiner Hinsicht von uns unterscheidet. Das Ergebnis ist intellektuelle Masturbation und emotionaler Inzest.

Obwohl diese Balkanisierung in gewisser Weise destruktiv ist, hat sie auch einige gute Seiten. Sie ermöglicht es uns, unser individuelles Verständnis der Dinge zu verfeinern. Aber die Menschen fühlen sich nun bemüßigt sich gegenseitig wie komplette Arschlöcher zu behandeln, weil wir jetzt alle miteinander über das Internet sprechen können, ohne einander zu begegnen. Nun reden alle, auch wenn sie Angesicht zu Angesicht stehen, miteinander, als würden sie twittern. Was wichtig ist, ist unsere demokratische Republik. Das ist wichtiger als eine bestimmte politische Partei. Sie funktioniert so – und ich sollte das nicht erklären müssen – daß keine Partei für immer dominieren kann. Wenn deine Seite vorübergehend verliert, werde erwachsen.

Historiker haben gesagt, daß das politische System Amerikas mit Absicht so konzipiert ist, daß es einer Seite unmöglich ist, eine zu lange Vorherrschaft zu gewinnen und zu behaupten. Es wurde gesagt, daß es so eingerichtet wurde, damit wir eine nicht enden wollende politische Debatte haben. Es ist das Disputieren selbst, das im Mittelpunkt unserer politischen Lebensweise steht – es geht nicht darum, wer zu einer gegebenen Zeit gewinnt, sondern um die Fortsetzung der Diskussion. Das ist unser politisches System und das Geniale daran. Eine Debatte. Das Gewinnen ist nicht das Wichtigste. Das Überleben unseres politischen Systems mit seinen Kontrollmechanismen ist das Wichtigste.

Wenn Leute anfangen, sich gegenseitig als böse zu bezeichnen, weil jemand eine andere politische Meinung hat als du, zerstörst du persönlich die Demokratie und du hast die Perspektive verloren.

Ich denke, wir sollten eine energische politische Debatte führen, und ich denke, es ist in Ordnung, kritische Dinge über einzelne Politiker zu sagen. Aber ich denke nicht, daß es in Ordnung ist, die Menschen, mit denen man politisch nicht übereinstimmt, als böse zu bezeichnen (zumindest in den Vereinigten Staaten im Jahr 2018). Ich denke, das ist unreif, unverantwortlich, gefährlich und signalisiert völliges Unverständnis.

Die Debatte sollte sich größtenteils auf eine bestimmte Politik beziehen. Gegenwärtig geht es bei fast keiner Debatte um eine bestimmte Politik. Es ist alles eine Schlammschlacht, Rufmord, „du hast damit angefangen“, hinterlistige Tricks und die endlose Instrumentalisierung von Diskussionen, die als Platzhalter für die echte Diskussion dienen, die sich auf eine bestimmte Politik und kaum etwas anderes beziehen sollte. Das amerikanische Volk ist nicht so dumm, wie viele an der [Ost- und West-] Küste [also in den Machtmetropolen] glauben. Es gibt viele Leute, die nicht so artikuliert sind wie andere, aber das bedeutet nicht notwendigerweise, daß sie weniger aufmerksam sind. Und es gibt so etwas wie den gesunden Menschenverstand.

Ja, ein bestimmter Kandidat oder eine bestimmte Partei kann sich vorübergehend einen Vorsprung durch negatives Auftreten verschaffen, aber ich glaube, daß auf lange Sicht die meisten Amerikaner das durchschauen und daß bestimmte politische Positionen das sind, was ihnen wirklich wichtig ist. Ich denke, daß die Negativität auf lange Sicht nach hinten losgeht, und wir haben viele, viele Beispiele dafür gesehen.

Auf allen Seiten herrscht Aggression. Manchmal ist sie relativ offen und deutlich sichtbar; zu anderen Zeiten ist sie gut verborgen unter einer Schicht von Unaufrichtigkeit und Heuchelei. Ich denke, die Heuchler unterschätzen auch die Fähigkeit der Amerikaner ihr Tun zu durchschauen.

Ich wünschte, die Leute würden aufhören, sich wie ein Haufen Kinder zu streiten. Es ist widerlich und verachtenswert. Werdet erwachsen, Leute! Wir machen uns alle schuldig – wir alle ziehen mit unseren Landsleuten hinter dem Rücken und außer Hörweite der Gegenseite über diese her. Und wenn wir schließlich miteinander reden, ist es nicht konstruktiv einfach nur die Antagonismen zu pflegen.

Menschen sollten immer eine gesunde Skepsis gegenüber ihren eigenen Überzeugungen haben. Absolute Sicherheit ist das Zeichen eines Idioten. Wenn du ein Thema nicht besprechen kannst, ohne emotional zu werden und zu denken, daß die Gegenseite böse ist, solltest du einfach den Mund halten. Diese Art von Idiotie und Aggression ist zersetzender als jede einzelne Politik oder Kampagne je sein könnte. Laß das System seine Arbeit tun. Es ist klüger als du. Es hat mehr als 200 Jahre bestanden. Unterschätze es nicht und zerstöre es nicht.

 

Politische Identifikation und persönliches Identitätsgefühl

Neulich fiel mir auf, daß die Menschen politische Identifikationen immer mehr als sehr wichtige Elemente ihres Identitätsgefühls einsetzen. Ich finde das seltsam und beunruhigend. Es scheint mir, daß wir in erster Linie Menschen waren und mit weitem Abstand erst sekundär politische Tiere. Das bedeutete es „amerikanisch“ zu sein: relativ frei von der Politik zu sein. Wir gaben unsere Stimme zur Wahlzeit ab, aber sprachen ansonsten nicht so viel über Politik und dachten nicht über sie nach.

Jetzt sind politische Überzeugungen zu einer Form eifernder religiöser Identifikation, der Identifikation mit dem Mob geworden, und das Gefühl der persönlichen und privaten individuellen Identität geht verloren. Wer bist du nachts in deinem Bett? Wer bist du, wenn du deine Kinder umarmst?

Die Menschen werden von neuen Stammesidentitäten angezogen, die es schwierig machen, sich mit „dem anderen“ zu identifizieren. Tatsächlich sind diese neuen politischen Identitäten ausdrücklich darauf ausgelegt, die Wahrnehmung zu erzeugen, daß es einen „anderen“ gibt, der sich von dir unterscheidet, jemand, den du ohne Schuldgefühle hassen kannst, jemand, der für alle deine persönlichen Probleme verantwortlich ist, anstatt daß du tatsächlich Verantwortung übernehmen mußt für einige deiner persönlichen Probleme. Diese politischen Identitäten verleiten die Menschen zu glauben, daß sie Menschen abstrakt lieben können oder sich mit ihnen abstrakt identifizieren können, während sie tatsächliche Menschen hassen, von denen uns gesagt wird, daß sie unsere Liebe nicht verdienen.

Spürst du, wie deine Menschlichkeit dich verläßt? Anstatt, daß wir uns zuerst als Menschen und zweitens als politisches Tier betrachten, gibt es jetzt eine Verschiebung in Richtung Politik, die immer mehr alles definiert, was wir über uns selbst und andere wahrnehmen. Sie bestimmt, mit wem wir befreundet sind oder nicht mehr befreundet sind. Wir werden zu Eiferern, politischen Robotern, Kultisten, Parteisoldaten und verlieren dergestalt den Reichtum unseres Menschseins und das breite Gefühl für unser gemeinsames Menschsein und ersetzen es mit immer engeren und starreren politischen Identifikationen, als würde die Politik die wichtigsten Dinge über uns und andere definieren.

 

 

Politik ist im Wesentlichen eine Form des Kampfes. Also erlauben wir uns, Krieger zu werden. Denk darüber nach. Ist das wirklich das, was du sein willst? Möchtest du ein Soldat oder möchtest du ein Mensch sein? Möchtest du dich mit einem Satz politischer Waffen und Ideologien identifizieren oder mit den Menschen, die du persönlich kennst und liebst? Laß deinen Speer fallen!

Es gibt mehr im Leben! Hast du das vergessen? Ist unser persönliches Leben jetzt so arm, daß wir den Reichtum persönlicher und zwischenmenschlicher subjektiver Erfahrung durch einen starren Satz von Überzeugungen ersetzen, dem wir nun gestatten uns und unsere Ansichten über andere zu definieren? Sehr gefährlich!

Wir werden zu Zombies, wir bilden politische Kulte. Laß es nicht zu, daß der Reichtum des Lebens aus deinem Herzen gesaugt wird. Liebe deinen Partner, liebe deine Familie. Die einzige Art von Politik, die wirklich zählt, beginnt in deinem Herzen. Konzentriere dich auf dich. Verändere dich. Mache dir nicht so einen Kopf über andere Menschen. Laß sie. Ersetze den Reichtum des Lebens nicht mit der Enge des politischen Streits. Der Glaube, daß die Politik die Menschen jemals wirklich verändert hat oder wird, ist eine Täuschung! Schaue dir das 20. Jahrhundert an!

Sei einfach menschlich. Kanalisiere nicht deinen Ärger, deine Frustration und deine Unzufriedenheit in politische Konflikte. Finde einen Weg wirkliche Menschen zu lieben, Menschen, die du tatsächlich kennst und mit denen du zu tun hast, nicht Stereotypen und Karikaturen anderer, die du noch nie getroffen hast. Laß deine Waffen fallen! Habe eine Beziehung mit tatsächlichen Menschen und beziehe dich nicht auf politische Stereotypen. Wir müssen keine politischen Kommunen bilden, um zu lernen, sozial zu sein. Werde wieder eine Person.

 

Biophysische Konservative versus Umweltkonservative: die schizophrene Spaltung im Vergleich zu anderen Formen von Kontaktlosigkeit

B: Würde es Sie stören, wenn ihre Partnerin gerade in einer langfristigen rein sexuellen Beziehung gewesen wäre, als Sie anfingen sich zu verabreden?

D: Ich glaube nicht, daß Sie Ihre Situation und Ihre Generation mit einer hypothetischen Frage über meine Partnerin und mich vergleichen können. Ich gehöre nicht Ihrer Generation an, daher bin ich mir nicht sicher, ob ich mich wirklich dazu äußern kann. In meiner Welt wäre ich extrem vorsichtig gegenüber jemandem, der viel Zeit in lockeren Beziehungen verbracht hat. Aber da das in Ihrer Welt die Norm ist, weiß ich nicht, ob die gleichen Regeln gelten.

B: Ich glaube nicht, daß ich wirklich wahrnehmen kann, wieviel Gesundheit in Anna steckt... Jemand hat mir erzählt, daß so etwas wie die Hälfte der Medizinstudenten des ersten Studienjahres in letzter Zeit miteinander geschlafen haben. Aber es gibt eine Menge positiver Dinge. Sie ist konservativ, haßt Hillary Clinton, kommt aus einer guten Familie, hat ähnliche Interessen, zumindest auf einem sehr hohen Niveau, da wir uns beide für Psychiatrie interessieren.

Ich frage mich, wie Anna über die Orgonomie denken würde. Ich bin mir nicht sicher, ob sie es verstehen würde, um ganz ehrlich zu sein. Und ehrlich gesagt wissen wir nicht, wie sehr sie ein Homo normalis ist.

D: Sie sagen, Sie seien sich nicht sicher, wie gesund sie ist, aber daß sie nichts überstürzen will, ist ein Zeichen von Gesundheit.

Sie fragen sich, wie sie auf die Orgonomie reagieren würde. Aber eigentlich reagieren Konservative wahrscheinlich besser auf die Orgonomie als Liberale! Und ich vergaß, ob Sie sagten, sie sei katholisch oder nicht, obwohl bei einer Polin wäre das naheliegend. Aber es gibt etwas am Katholizismus, das sehr direkt ist, und die Orgonomie ist auch sehr direkt. Man weiß also nie,... Wer weiß das schon? Ich glaube, daß die Chancen, daß ein Konservativer sich dafür entscheiden würde, größer sind als bei einem Liberalen. Vielleicht ist sie auch nur jemand, der sich in Sachen Gelegenheitssex der Umwelt angepaßt hat, so wie Orgonomen sagen, daß es „Umweltliberale“ gibt, die eigentlich gar keine Liberalen sind. Vielleicht gibt es in ihr einen genitalen Charakter, der sich danach sehnt, herauszukommen. Und Sie wären ihre Eintrittskarte dorthin.

B: Was bedeutet es, eine „Umweltliberale“ oder eine „Umwelt-Gelegenheitssex-Person“ zu sein?

D: „Umweltliberaler“ bedeutet, daß man kein biophysischer Liberaler ist, sondern nur in der oberflächlichen Schicht das übernommen hat, dem man ausgesetzt war. Da diese Sex-ohne-Liebe-Sache eine Manifestation der Emotionellen Pest ist, der jeder ausgesetzt ist, haben viele junge Menschen dieses Verhalten nur angenommen, um sich anzupassen, was einige von ihnen zu „Umwelt-Sex-ohne-Liebe-Menschen“ macht. Diese Manifestation der Emotionellen Pest ist wahrscheinlich eine der schlimmsten, die es je in der Geschichte gegeben hat. Reich sagte voraus, daß genau dies als Reaktion auf seine Arbeit geschehen würde.

„Das am meisten wahrscheinliche Resultat des Prinzips der 'orgastischen Potenz' ist eine verheerende, totale Pornographie. Wie ein vom gespannten Bogen festgehaltener und plötzlicher losgelassener Pfeil wird die rastlose Suche nach schneller, müheloser und ungesunder genitaler Lust die menschliche Gesellschaft verwüsten“ (Reich, W. 1953: Christusmord. Freiburg: Walter, 1978, S. 334)

Hätte irgend jemand den Mut und die Macht zu dekretieren, daß Freiheit und Selbstregulierung über Nacht verwirklicht werden sollen, so würde unvermeidlich die größte Katastrophe der Menschheitsgeschichte über uns hereinbrechen.“ (ebd., S. 339, Hervorhebung im Original)

B: Wie machen Sie diese Unterscheidung [„umweltbedingte“ Charaktereigenschaften gegenüber intrinsischen Charaktereigenschaften] bei einer Person.

D: Zunächst einmal sind Eigenschaften aufgrund der Umwelt in der Fassade lokalisiert, nicht im Kern.

Biophysische Konservative sind weniger im Kopf. Sie fühlen sich auch wohler damit, daß ihre Aggression sich unverdeckt abspielt und nicht durch eine Fassade verdeckt wird. Sie machen sich auch viel weniger Sorgen um die politische Korrektheit, da die politische Korrektheit eine Funktion der Fassade ist. Biophysische Konservative leben weniger in ihrer Fassade.

Sie sind offener für Emotionen; sie fühlen mehr und sie vertrauen ihren Gefühlen mehr. Sie denken klarer, direkter und einfacher, was nicht bedeutet, daß sie weniger klug sind, aber sie tun nicht so, als ob sie klug wären, wie es Liberale tun. Konservative können sentimental sein (eine weichere Art der Emotion), wohingegen die Liberalen keine Sentimentalität tolerieren können und sich in Gegenwart von Sentimentalität sarkastisch in ihren Kopf zurückziehen. Konservative sind religiöser, weil Religion mehr mit Emotionen zu tun hat und orgonometrisch mehr links liegt [d.h. näher dem Gemeinsamen Funktionsprinzip CFP].

B: Die Tatsache, daß Anna trotz ihres hohen Niveaus innerhalb der akademischen Institutionen nicht liberal ist, läßt vermuten, daß sie vielleicht biophysisch konservativer ist.

Denken Sie, daß ich biophysisch konservativ bin?

D: Ja, ich denke schon. Es scheint mir, daß Sie vor Ihrem psychotischen Zusammenbruch biophysisch definitiv konservativ waren. (Sie waren im Grunde ein Arschloch ;-) ). Was bei Ihrem Zusammenbruch passierte, war, daß Sie plötzlich all Ihre Angst verspürten, und das veränderte Ihre Fassade und Ihr Funktionieren. Tatsächlich sind Sie nach Ihrer [schizophrenen] Spaltung, neben dem Schrecken, viel freundlicher und sanfter geworden. Es hat Sie in Ihrem Kopf nach oben gebracht, aber im Grunde haben Sie immer den Kontakt zu Ihrem Kern aufrechterhalten. Tatsächlich waren Sie nach Ihrer Spaltung in weitaus besserem Kontakt mit Ihrem Kern. Ich schätze, man muß sagen, daß das Marihuana oder was auch immer dabei eine Rolle spielte, Sie irgendwie auf einmal mit Ihrem Kern in Kontakt gebracht hat, und das konnten Sie nicht tolerieren. Das, kombiniert mit der Adoleszenz.

Wegen des Mangels an somatischer Panzerung unterhalb des Halses können paranoide Schizophrene trotz der ganzen Augenpanzerung ausgezeichneten Kernkontakt haben. Das liegt daran, daß sich die okulare Panzerung des Schizophrenen von der okularen Panzerung des ödipalen Charakters unterscheidet. Die okulare Panzerung des Schizophrenen ist eine Spaltung, bei der Erregung und Wahrnehmung vollständig intakt sind, wenn auch gespalten. Beim Phalliker werden sowohl die Erregung als auch die Wahrnehmung durch die Muskelpanzerung gedämpft. Das führt zur phallischen Kontaktlosigkeit. Im Hysteriker können Erregung und Wahrnehmung sehr intakt sein, aber sie werden durch Flucht und Dissoziation abgewehrt. Dissoziation ist ein Phänomen auf einem Spektrum zwischen phallischer Kontaktlosigkeit und der schizophrenen Spaltung.

 

Biologie, Psychologie und politische Orientierung

Es gibt immer mehr Hinweise auf biologische und genetische Faktoren, die mit der politischen Orientierung zusammenhängen. Macht es angesichts dessen für uns alle wirklich Sinn, zu argumentieren? Es ist so primitiv. Offenbar hat es die Natur für angebracht gehalten, einige von uns liberaler und einige von uns konservativer zu machen. Warum also versuchen, das eine oder das andere zu eliminieren? Warum nicht aufhören, so zu handeln, wie die Menschen seit Tausenden von Jahren gehandelt haben, Stämme zu bilden und dann zu versuchen, sich gegenseitig zu vernichten? Warum sich die ganze Zeit auf eine Sicht der Dinge konzentrieren, die vom halbleeren Glas ausgeht? Warum konzentrieren wir uns nicht auf die Version mit halbvollem Glas, so daß wir gemeinsam etwas Positives erreichen können? Es liegt so viel von Re-aktion in der Luft und zwar auf beiden Seiten. Es hat eindeutig den Beigeschmack einer Art von Sucht, etwas, das irgendwie seltsam befriedigend und kathartisch wirkt, während wir uns gegenseitig angreifen. Warum hören wir nicht einfach auf? Vielleicht sollte jeder von uns es zu seiner individuellen Aufgabe machen, diese Art von Verhalten bei uns selbst zu eliminieren, und versuchen, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Hier sind einige Highlights aus dem Wikipedia-Eintrag „Biologie und politische Orientierung“. In den Auszügen, die ich ausgewählt habe, habe ich weder liberale noch konservative Ansichten bevorzugt:

„Eine Reihe von Studien haben ergeben, daß Biologie mit politischer Orientierung verknüpft werden kann. (…) Viele der Studien, die Biologie mit Politik verbinden, bleiben umstritten und unrepliziert, obwohl das Gesamtmenge der Beweise wächst.“

„Verschiedene Studien deuten auf meßbare Unterschiede in den psychologischen Merkmalen von Liberalen und Konservativen hin. Konservative berichten mit größerer Wahrscheinlichkeit von größeren sozialen Netzwerken, mehr Glück und Selbstwertgefühl als Liberale, reagieren eher auf wahrgenommene Bedrohungen und interpretieren zweideutige Gesichtsausdrücke eher als bedrohlich. Liberale berichten mit größerer Wahrscheinlichkeit über größere emotionale Not, Beziehungsunzufriedenheit und erlebte Härten als Konservative und zeigen mehr Offenheit für Erfahrungen sowie größere Toleranz gegenüber Unsicherheit und Unordnung.“

Eine genomische Studie der DNA von 13 000 Probanden identifizierte „mehrere Gene, die möglicherweise mit politischer Ideologie in Verbindung stehen“.

„Eine Zwillingsstudie aus dem Jahr 2005 untersuchte die Einstellungen zu 28 verschiedenen politischen Themen wie Kapitalismus, Gewerkschaften, Erwachsenenfilme, Abtreibung, Schulgebet, Scheidung, Vermögenssteuern und die Einberufung. Die Zwillinge wurden gefragt, ob sie bei dem gegebenen Thema zustimmten oder nicht oder ob sie unsicher seien. Genetische Faktoren machten 53% der Varianz eines Gesamtergebnisses aus. Die Selbstidentifikation als Republikaner und Demokrat hatte jedoch eine viel geringere Erblichkeit von 14%.“

53% ist ein sehr hoher Wert für Vererblichkeit. Sie ist zum Beispiel höher als die Übereinstimmung zwischen eineiigen Zwillingen bei Schizophrenie oder bipolarer Störung.

Eine MRT-Studie am University College London mit 90 Probanden ergab, daß Studenten, „die konservativere politische Ansichten vertraten, größere Amygdalae haben, eine Struktur in den Schläfenlappen, deren Hauptfunktion in der Bildung, Konsolidierung und Verarbeitung des Gedächtnisses sowie in der positiven und negativen Konditionierung (emotionales Lernen) besteht. Die Amygdala ist für wichtige Rollen in der sozialen Interaktion verantwortlich, wie z.B. das Erkennen von emotionalen Bedeutungen im Gesichtsausdruck und die Musterung des persönlichen Raums, wobei größere Amygdalae mit größeren und komplexeren sozialen Netzwerken korrelieren. Es wird auch postuliert, daß sie bei der Erkennung von Bedrohungen eine Rolle spielt, einschließlich der Modulation von Angst und Aggression gegenüber wahrgenommenen Bedrohungen. Bei konservativen Studenten wurde auch ein größeres Volumen an grauer Substanz in der linken und dem rechten entorhinalen Kortex festgestellt. Es gibt Hinweise darauf, daß Konservative anfälliger für Ekel sind, und eine Rolle der Insula beinhaltet die Modulation sozialer Emotionen, wie z.B. dem Gefühl des Ekels vor bestimmten Anblicken, Gerüchen und Normverletzungen.

Bei Studenten, die über liberalere politische Ansichten berichteten, wurde festgestellt, daß sie ein größeres Volumen an grauer Substanz im vorderen cingulären Kortex haben, einer Struktur des Gehirns, die mit emotionalem Bewußtsein und der emotionalen Verarbeitung von Schmerz assoziiert ist. Der anteriore zinguläre Kortex wird in Situationen der Ungewißheit aktiv, und es wird postuliert, daß er bei der Fehlererkennung eine Rolle spielt, wie z.B. bei der Überwachung und Verarbeitung von widersprüchlichen Reizen oder Informationen. (...)

[Die Untersucher stellten fest], daß es notwendig ist, eine Längsschnittstudie durchzuführen, um festzustellen, ob die von ihnen beobachteten Veränderungen in der Gehirnstruktur zu Veränderungen im politischen Verhalten führen oder ob politische Einstellungen und Verhalten stattdessen Veränderungen der Gehirnstruktur zur Folge haben.“

„Eine Studie von Wissenschaftlern der New York University und der University of California, Los Angeles, fand Unterschiede in der Art und Weise, wie selbstidentifizierte liberale und konservative Probanden auf Veränderungen bei Mustern reagierten. (...) Liberale Teilnehmer machten weniger Fehler als Konservative während des Tests und ihre elektroenzephalographischen Messungen zeigten während des Experiments mehr Aktivität im vorderen zingulären Kortex, dem Teil des Gehirns, der mit widersprüchlichen Informationen umgeht, was darauf hindeutet, daß sie Konflikte in etablierten Mustern besser erkennen konnten. Der Hauptautor der Studie (...) warnte vor der Schlußfolgerung, daß eine bestimmte politische Orientierung überlegen sei. ‚Die Neigung der Konservativen, ablenkende Informationen zu blockieren, könnte je nach Situation eine gute Sache sein‘, sagte er.“

„Personen mit rechtsgerichteten Ansichten reagierten in einer Studie mit einem höheren Hautleitwert, was auf eine stärkere Reaktion des sympathischen Nervensystems auf bedrohliche Bilder hinweist, als Personen mit linksgerichteten Ansichten. Bei positiven oder neutralen Bildern gab es keinen Unterschied. Das Vertreten rechter Ansichten war auch mit einem stärkeren Schreckreflex verbunden (...).“

Also: es gibt Unterschiede zwischen den Menschen. Können wir damit leben?

 

Sind Konservative dumm?

Wahrnehmungsvermögen und Intelligenz sind zwei unterschiedliche Dinge. Hochintelligente Menschen können extrem scharfsinnig sein, wenn sie ihre Intelligenz dazu benutzen, sich selbst zu täuschen.

Für mich war es immer interessant, wie die Linke Konservative wie Trump als dumm wahrnimmt. Ich denke, ich weiß, wovon sie sprechen: Konservative neigen dazu, in Bezug auf ihre verbalen Fähigkeiten weniger hervorzustechen, und sie machen sich auch nicht oft die Fassade des „Intellektuellen“ zu eigen. Sie neigen dazu, auf einfache Weise zu denken. Ich glaube, dies wird von Intellektuellen auf der linken Seite fälschlicherweise als „dumm“ empfunden, auch wenn es klare Anzeichen dafür gibt, daß die Linke von der Rechten hinsichtlich der tatsächlichen Resultate übertroffen wird. Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, daß wirklich kluge Menschen sichtlich nicht so tun müssen, als seien sie klug, und daß sie tatsächlich in der Lage sind, auf sehr einfache Weise zu denken. Ich habe in meinem Leben eine Reihe solcher Menschen gekannt. Nichts weist auf „den Intellektuellen“ hin, aber wenn man sie besser kennenlernt, merkt man, daß sie die klügsten Menschen sind, denen man je begegnet ist.

Ich denke, diese ganze Sache ist einfach eine weitere Illustration dafür, daß Menschen auf der linken Seite nicht in der Lage zu sein scheinen, durch die oberflächliche Fassade von Menschen (oder Ereignissen) hindurch zu blicken und zu sehen, was wirklich dahinter vor sich geht. Ich denke, Konservative lassen sich nicht so leicht von dem in die Irre führen, was an der Oberfläche geschieht.

Was ich hier diskutiere, knüpft an etwas an, das ich an anderer Stelle darüber gepostet habe, daß Wahrnehmung und „Intelligenz“ (wie wir Intelligenz normalerweise definieren und wahrnehmen) zwei verschiedene Dinge sind, und daß selbst in dem Fall, daß jemand tatsächlich nicht so „klug“ sein mag, was die Art und Weise betrifft, wie er bei einem IQ-Test abschneidet, er tatsächlich scharfsinniger sein könnte als die „wirklich klugen“ Menschen. Wie ich dort kommentierte, ist das Ergebnis hoher Intelligenz oft einfach eine verbesserte Fähigkeit, eine schlechte Wahrnehmung zu rationalisieren!

Was ich beobachtet habe, ist, daß die größten Genies oft in der Lage sind, hochkomplexe Dinge in extrem einfachen, für jedermann verständlichen Worten zu besprechen. Das liegt zum Teil daran, daß diese besonderen Genies fähig sind wahrzunehmen, wie andere Menschen denken. Andere Genies, und vielleicht ist dies häufiger der Fall, können geistige Leistungen vollbringen, zu denen normale Menschen niemals in der Lage wären. Die Ergebnisse können verblüffend sein und einen enormen Beitrag zum menschlichen Leben leisten. Aber es ist relativ selten, daß solche Genies auch in der Lage sind, die Komplexität dessen, was sie verstehen, in einfache Begriffe zu übersetzen.

Dies ist also ein Beispiel dafür, wie Einfachheit mit der Fähigkeit zur Wahrnehmung verbunden ist und in einigen Fällen tatsächlich ein Attribut eines Genies einer bestimmten Art sein kann. Diese Art von „Wahrnehmungsgenie“ (Reich nannte es „Kontakt“) kann bei Menschen mit sehr hohen IQs vorhanden sein, aber auch bei Menschen mit normalen und sogar niedrigem IQ. Es ist ein Aspekt dessen, was wir „gesunden Menschenverstand“ nennen, nämlich zu sehen, was direkt vor einem liegt, und es in einfacher Sprache beschreiben zu können. Es ist auch ein Aspekt dessen, was Reich „funktionelles Denken“ nennt, d.h. Denken, wie die Dinge tatsächlich funktionieren. Dies setzt voraus, daß man sowohl die Oberfläche als auch das, was unter der Oberfläche liegt, wahrnehmen kann.

 

Sind Links und Rechts Funktionen der Natur?

Der Beweis dafür, daß die politische Orientierung ‚fest verdrahtet‘ ist: Der Austausch von Informationen („Software“) hat keine Auswirkungen auf eine der beiden Parteien!

Vielleicht drückt diese natürliche Dichotomie eine Art Naturgesetz aus, ein Yin und Yang, dessen Wirkung eigentlich darin besteht, soziale Strukturen zu stärken und nicht zu schwächen, solange sich die beiden Seiten vertragen!

Ein Kollege von mir sagt, daß man, wenn man Amöben beobachtet, zwei allgemeine Typen unterscheiden kann: Der eine Typ zeigt viel spiralförmige Bewegung und neigt dazu, sich schnell über das mikroskopische Feld zu bewegen. Der andere Typ neigt dazu, an einem Ort zu bleiben und einfach zu pulsieren. Er sagt, dies seien „liberale“ bzw. „konservative“ Amöben!

Vielleicht „beabsichtigt“ Gott oder die Natur, daß wir tatsächlich miteinander auskommen und die Existenz des anderen tolerieren! Wenn ja, dann ist es wahrscheinlich wirklich wichtig, daß wir nicht versuchen, uns gegenseitig zu zerstören!

Es ist kristallklar, daß die Verfassungsväter die Dinge so sahen und versuchten, ein politisches System zu konstruieren, das es nicht zuläßt, daß die eine oder die andere Seite vollständig gewinnt, sondern sie sich in ein ewiges Gespräch vertiefen.

Die ganze „Natur“ der Gesellschaft ist identisch mit dem Gespräch!

Das Ziel jeder Seite sollte es sein, das weitere Gespräch zu fördern, nicht zu gewinnen!

Stellen Sie sich vor, in der Welt der Wissenschaft wäre das Ziel das „Gewinnen“ und nicht die fortwährende Suche nach der Wahrheit, eine Suche, die nie abgeschlossen ist!

Wenn eine Seite vollständig gewinnen will, sollte das bei uns allen große Besorgnis auslösen.

Wenn das Gespräch endet, dann endet die zivilisierte Gesellschaft.

 

 

zuletzt geändert
14.08.20

 

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